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Autor Thema: Alternative Notenschrift, Chromatische Musiknotation  (Gelesen 867 mal)
Norbert42
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« am: 12. Januar 2017, 17:20:42 »

Als Chorsänger bin ich auf der Suche nach Chorsätzen, die mir optisch die Tonhöhe und die musikalischen Intervalle zwischen den Noten meiner Stimme zeigen. Außerdem möchte ich auf Anhieb sehen, wo in einer anderen Stimme ein Ton vorkommt, der mir beim Einsatz in meiner Passage hilft - meine Noten stehen im Bass-Schlüssel. Ich halte dies für Grundanforderungen für Notenblätter, um nach Noten und nicht nur nach Gehör zu singen.

Doch keine dieser Anforderungen wird von der  traditionellen Musiknotation erfüllt.

Nun bin ich keines wegs der erste, der diesem Missstand beklagt. Es gibt viele Untersuchungen und eine Vielzahl von Vorschlägen. Von Herrn Albert Brennink wurde z.B. vor kurzem das Buch „Die Alternativ-Notenschrift“ herausgegeben. Es besteht also ein erheblicher Bedarf an einer Musik-Notation, die das Musizieren erleichtert und nicht erschwert.

Nun meine Fragen:

Wie kann man (ich) Noten, die im Capella-Format vorliegen, in einem Format drucken, das  wenigstens die oben genannten Forderungen erfüllt?

Falls es keine fertige Lösung gibt: Wie müsste ich aktiv werden, um dieses Ziel zu erreichen?

Über entsprechende Hinweise würde ich mich sehr freuen.
Eine ähnliche Frage hatte ich schon 2012 gestellt. Doch vielleicht gibt es mittlerweile positive Neuigkeiten.

Gruß
Norbert

Siehe auch

http://musicnotation.org/
https://www.albert-brennink.de/musik/
https://www.araumus.com/
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Theo
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« Antworten #1 am: 12. Januar 2017, 20:16:56 »

Was die chromatische Notation anbelangt, würde ich spontan sagen, dass es kein großes Problem darstellen sollte,
veschiedene Töne auf andere Töne abzubilden , z.B.
(c-->c, c#-->d, d-->e, d#-->f, e-->g, f-->a, f#-->h, g-->c', g#-->d', a-->e', a#-->f', h-->g', c'-->a') usw.
Das kann man in Capella mit einem Python-Skript vermutlich recht einfach erledigen.
Das sage ich allerdings ohne jemals ein Capella-Python-Skript verfasst zu haben.
Da können die Skript-Profis hier sicher besser Auskunft geben.
Die Tücken liegen vermutlich dann in anderen "Details". z.B. das Ganze abzuspielen wird dann vermutlich nicht mehr ganz so einfach...
Also, entweder Python lernen oder/und auf Hilfe der Skript-Profis hoffen.
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Norbert42
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« Antworten #2 am: 12. Januar 2017, 22:43:16 »

Zunächst erwarte ich nicht, dass in absehbarer Zeit ein neues Programm mit allen Möglichkeiten von capella realisiert wird. Es wäre jedoch ein sehr guter Anfang, wenn vorhandene *.capx Dateien in chromatischer Notation zu Papier gebracht werden könnten. Das Editieren und Vorspielen wird sicher für geraume Zeit die Domäne von capella bleiben.

Norbert
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Klaus
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« Antworten #3 am: 12. Januar 2017, 23:25:42 »

Ich sehe nicht, was an einer "Neuerfindung" praktisch sein soll.
Jeder, der das althergebrachte Notensystem zu lesen versteht, wird unweigerlich in einer neuen Notationsart "fremdeln". Es würde hier also ein künstliches Hindernis geschaffen.
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BurkhardS
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« Antworten #4 am: 13. Januar 2017, 07:51:29 »

Die traditionelle Notenschrift mag nicht immer besonders übersichtlich sein, wenn es um chromatische Bewegungen geht, aber sie hat einen entscheidenden Vorteil:
Sie ist über Jahrhunderte gewachsen und jeder Musiker auf der ganzen Welt kann sie lesen. Das ist ja gerade das schöne an der Musik: Es gibt musikalisch eigentlich keine Sprachbarriere. Ich sehe da keine Notwendigkeit für etwas Neues.
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Theo
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« Antworten #5 am: 13. Januar 2017, 08:23:45 »

Die ursprüngliche Frage zielte meines Erachtens nicht darauf ab, um über "Sinn" oder "Unsinn" alternativer Notationen zu diskutieren, sondern lediglich, ob es möglich sei, .capx Dateien in diese alternative Notation umformatieren zu können. Capella kann es nicht, aber vielleicht mit Skript?! Lilypond und Finale sollen verschiedene alternative Notationen ermöglichen, glaubt man der Seite: http://musicnotation.org/software/
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PeterBecker
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« Antworten #6 am: 13. Januar 2017, 17:17:22 »

Ich habe mir die Brennink Seite und Aureamus mal angeschaut.
Offenbar gibt es da unterschiedliche Ansätze für eine alternative Schrift mit dem Schwerpunkt auf dynamische Weiterentwicklung.
Es werden auch Darstellungsformen genutzt die sich derzeit mit dem Capella Datenmodell nicht oder nur mit grafischen Methoden realisieren lassen.
Ein Skript dafür zu schreiben werde ich mir mit Sicherheit nicht antun.

Nur so nebenbei, obwohl es hier nicht um Sinn oder Unsinn einer solchen alternativen Schrift geht, Um danach zu spielen müsste ich wieder bei Null anfangen. Mir erscheint diese Notation eher verwirrend als klarer.
 
Peter
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acco-boy
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« Antworten #7 am: 13. Januar 2017, 17:48:47 »

Unabhängig davon, ob solche alternativen Notenschriften Sinn machen oder nicht: es werden immer "Exoten" bleiben. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass dafür ein Programmierer Zeit opfert, es sei denn, er benötigt das für sich.

Es gibt also nur eine Lösung für den, der das haben will: selbst programmieren.
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Gruß Günter
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Norbert42
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« Antworten #8 am: 26. Januar 2017, 14:44:14 »

@ BurkhardS: 
Sie haben Recht: Jeder Musiker kann sie lesen, und wenn er gut ist, hört er nach langer Übung schon die Musik, wenn er nur auf dieNoten schaut.

Doch nicht jeder hat eine entsprechende Ausbildung genossen und möchte trotzdem z.B. gemeinsam mit Gleichgesinnten möglichst richtig singen. Ich habe eine kleine Umfrage gemacht.

Wer ein Instrument beherrscht, braucht keine andere Musik-Notation mehr. Aber das ist ist in unserem Kirchenchor die Minderheit und es dürfte in allen Laienchören die Minderheit sein.

Wer vor geraumer Zeit einmal Klavier gespielt hat, ruft sich die Lage der Tasten des Keyboards in Erinnerung, um z.B. zu sehen, ob zwei Noten einen Ganzton- oder Halbtonschritt auseinander liegen. Unsere traditionelle Notenschrift gibt das nicht auf Anhieb her.   

Die absolute Mehrheit singt nach Gehör. Sie haben es aufgegeben oder es garnicht erst versucht, sich auf der Basis der aktuellen Notation den Klang der Tonintervalle einzuprägen, denn das Notenbild zeigt die Intervalle nur ungenau an.

Ich finde, auch Laien sollten zumindest die Chance bekommen, Tonhöhe und Intervall richtig zu erkennen. Dass das Erkennen und Wissen nicht ausreicht, um richtig zu singen, steht außer Frage.

Die traditionelle Notenschrift wird auch dann weiter bestehen bleiben, wenn es eine neue gibt. 


@ PeterBecker und acco-boy
Eine chromatische Musiknotation wie von A. Brennink vorgeschlagen, braucht

1. Notenzeilen mit genügend vielen Linien.
Capella bietet heute schon die Möglichkeit, Notenzeilen mit 11 Linien zu verwenden. Jede Linie kann durchgezogen, gestrichelt oder leer gezeichnet werden. Das reicht für den Stimmumfang von Sopran mit Alt. Tenor mit  Bass benötigen eine zweite derartige Notenzeile.

Eine Erweiterung über 11 Linien hinaus wird erforderlich, wenn alle Stimmen in einem Großstab (Bezeichnung von Brennink) gezeichnet werden sollen, was schön wäre, doch schon über die Möglichkeiten der traditionellen Notation hinausginge.

2. Einen Notenschlüssel
Nicht dringend: Eine Markierung für einen bestimmten Ton derzeit kann seitlich als Text angefügt werden. Elegant wäre ein eigener Schlüssel sicherlich.

3. Eingabe von Tonhöhe und Lage des Bezugstons.

4. Eine Positionierung der Noten im Halbtonabstand.
Zunächst könnte die Gestaltung der Noten mit Kopf und Hals unverändert übernommen werden.
Für Capella wäre eine solche Ergänzung derzeit ein Alleinstellungsmerkmal.


@ acco-boy
Ob die chromatische Notation ein Exot bleibt, kann man erst sagen, wenn die Chance besteht, sie zu verwenden.

Wenn Sie fordern, es selbst zu programmieren:
Wie finde ich den Einstieg zur Realisierung von Pos. 4?

Ich freue mich auf Reaktionen, auch auf negative!

Norbert
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Henning
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« Antworten #9 am: 26. Januar 2017, 16:58:02 »

Man sollte aber bedenken, dass unser Tonsystem diatonisch ist und nicht chromatisch. Eine (der Vorzeichnung entsprechende) Dur-Tonleiter sieht in unserer Schrift immer einfach aus. Erst, wenn Töne verändert (alteriert) werden, benötigt man Vorzeichen und dann sieht man, dass das Intervall nicht mehr so ist wie vorher.
Es ist durchaus etwas kompliziert, ob das Intervall dadurch vergrößert wird, indem der untere Ton ein Be oder der obere Ton ein Kreuz bekommt, oder dadurch verkleinert wird, indem der untere Ton ein Kreuz oder der obere ein Be bekommt. Und dann kommen noch Auflösungszeichen dazu, die mal einen Ton verändern und mal nur zur Sicherheit da stehen. Das ist verständlich, dass das sich nicht auf den ersten Blick erschließt.
Aber deswegen die Notation auf ein chromatisches System umzustellen, führt zu neuen Problemen, da dann jedes Intervall, jede Tonleiter einheitlich kompliziert aussieht. Die Tonleitern, die sich dann elegant notieren lassen (Chromatik, Ganztonleiter), kommen in der gewöhnlichen Chorliteratur nur selten vor.
Die meisten Sänger, die ich kenne, singen keine abstrakte Abfolge von Ganz- und Halbtonschritten sondern Tonleiterausschnitte. Ausschnitte einer Tonleiter, die seit Jahrhunderten unsere Musik bestimmt und dementsprechend einfach zu singen ist. Und die sollte dann auch einfach notiert werden können.
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acco-boy
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« Antworten #10 am: 26. Januar 2017, 17:57:57 »

@ acco-boy
Ob die chromatische Notation ein Exot bleibt, kann man erst sagen, wenn die Chance besteht, sie zu verwenden.

Wenn Sie fordern, es selbst zu programmieren:
Wie finde ich den Einstieg zur Realisierung von Pos. 4?

Ich freue mich auf Reaktionen, auch auf negative!

Ich habe nicht "gefordert", selbst zu programmieren, sondern nur versucht, zu erklären, warum ich es für unmöglich halte, dass eine solche Funktion Eingang in ein Notensatzprogramm findet. Ich stelle es mir nicht leicht vor, eine solche Funktion zu programmieren. Derjenige, der sich also daran macht, das umzusetzen, muss schon ein hohes Maß an Eigeninteresse mitbringen.

Und jemand, der die Funktion dringend braucht, kann sich im Gegensatz dazu nicht darauf verlassen, das geliefert zu bekommen, sondern muss hier wohl selbst als Pogrammierer tätig werden.

Ich halte übrigens den Key-Editor eines Sequenzers durchaus für eine Art "chromatische Darstellung".
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Gruß Günter
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« Antworten #11 am: 23. April 2017, 13:50:15 »

Als Chorsänger bin ich auf der Suche nach Chorsätzen, die mir optisch die Tonhöhe und die musikalischen Intervalle zwischen den Noten meiner Stimme zeigen.

Die übliche Notenschrift zeigt doch durch die Anordnung der Notenköpfe auf und zwischen den Notenlinien die Tonhöhe an. Für mich, der auch nicht einfach vom Blatt absingen kann, ist das eine hilfreiche Orientierung.

Wenn anstatt von Vorzeichen # und b die Noten in einer feiner gestuften Höhe der Notenlinien angebracht wären, würde das nicht so viel helfen, wie man sich denken könnte, denn erstens ist das dann nicht so einfach zu erkennen (man hält das Notenblatt i.d.R. ca 1 Meter vom Auge entfernt), und zum anderen ist das für jemanden ohne absolute Tonsicherheit auch keine Garantie für automatisch richtiges Singen.

Das wirkliche vom Blatt-Singen kommt aus der Übung, nicht aus einer anders gestalteten Notenschrift.

Außerdem möchte ich auf Anhieb sehen, wo in einer anderen Stimme ein Ton vorkommt, der mir beim Einsatz in meiner Passage hilft - meine Noten stehen im Bass-Schlüssel.

Diese Noten findet man in den benachbarten Notenzeilen, den oberen oder unteren.

Und ja, man könnte so eine Ausgabe programmieren, in Python oder einer andern Sprache; es gibt ja auch das Skript von Bernd Jungmann, das das Notensatzprogramm capella für Blinde oder Sehbehinderte nutzbar macht, also in Braille mit den Benutzer kommuniziert.

Abschließend hab ich, der ich aus der Note nicht die richtigen Ton treffe, viel mehr davon, wenn ich zum Üben die Partitur im capella Reader mit vorspielen lassen kann und damit übe. Vielleicht auch noch mit dem capella Melody Trainer mir vom Computer sagen lassen kann, wie gut ich die Tonhöhe und die Tondauer getroffen habe.
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